Stadtmarketing     Tourismus     Wirtschaftsförderung     




Ab sofort erhältlich - unter anderem in der Tourist-Information!


Für Sie zum Download

Der älteste Freimarkt Westfalens

Von den wenigen alten Bräuchen, die sich ins Internet- Zeitalter gerettet haben, stehen die traditionellen Volksfeste - insbesondere aber die Kirmessen - unstreitig an erster Stelle. Dort, wo Kirmes Tradition hat, strömen Hunderttausende oder gar Millionen zusammen. Wer heute, wo die großen Volksfeste längst Wirtschaftsfaktor sind, Wernes Sim-Jü erlebt, der kann dieses Fest – frei nach Goethe – als des Volkes wahren Himmel bezeichnen.

Wernes Simon-Juda-Markt, der unter dem mundartlichen Kürzel „Sim-Jü“ zum Inbegriff westfälischer Volksfest-Gemütlichkeit geworden ist, gehört schon lange zur Kategorie bedeutender westfälischer Kirmessen. Das Besondere und wohl Einzigartige an Sim-Jü ist die Tatsache, dass sich das ursprünglich als Freimarkt begründete Volksfest seit nunmehr 650 Jahren stets am Tag „Simon-und Juda" (28. Oktober) ausrichtet und seit seinem Entstehen immer auch in der Stadtmitte durchgeführt worden ist. Somit dürfte Sim-Jü als exemplarisches Beispiel eines typisch westfälischen Jahrmarktes gelten.

 

Im Übrigen muss der Simon-Juda-Markt schon eine Zeit lang vor 1362 bestanden haben. Das geht aus der bischöflichen Urkunde hervor, in der es – frei übersetzt – heißt „die Kirmes, die da pflegt zu sein zu Simon und Juda-Messe“. Dennoch haben die Werner über das wahre Alter von Sim-Jü nie Spekulationen angestellt, sondern sich mit 1362 als Entstehungsjahr begnügt . Und so wird diesmal der 650. Geburtstag des berühmten Volksfestes gefeiert, das als ältester noch bestehender und urkundlich verbriefter Freimarkt Westfalens gilt.

Der Simon-Juda-Markt, ursprünglich Umschlagplatz für Waren und Geld, lockte auf Dauer auch die „Fahrenden" an: Vertreter des frühen Unterhaltungs- und Belustigungsgewerbes wie Puppenspieler, Bänkelsänger, Gaukler und Akrobaten. Sie alle gaben sich wiederkehrend ein Stelldichein in Werne, weil sie erkannt hatten, dass sich aus der Wiedersehensfreude derer, die sich Jahr für Jahr zu Sim-Jü in Werne trafen, Kapital schlagen ließ. So entstand neben dem Handel der Vergnügungsteil des Simon-Juda-Marktes, auf dem es bei Bier, Wein und deftigem Essen lustig zuging. Da wurden dem staunenden Publikum Tiere aus aller Herren Ländern, Wundermenschen und andere sogenannte „Weltwunder" präsentiert und im Laufe der Zeit werden ganze Heerscharen von wandernden ,,Arzten" und Quacksalbern ihre Heilkünste vorgeführt haben.

Mitte des vorigen Jahrhunderts hielt schließlich auch die Technik Einzug auf Sim-Jü. Zunächst tauchten einfache Schaukeln und erste Karussells zur Volksbelustigung auf. Des Weiteren erschienen nach und nach Zirkusse, Hippodrome, Possentheater, Panoramen, Museen und Wachsfigurenkabinette. Als schließlich um die Jahrhundertwende die Bilder „laufen“ lernten, stand der Kinematograph als Vorläufer des Kinos hoch in Kurs bei den Wernern. Gebannt starrte man auf die Leinwand, auf der Militärs und Staatsoberhäupter paradierten; Schiffe und Eisenbahn vermittelten den „Duft der großen weiten Welt". Dass es dabei oftmals, wegen der mangelhaften Qualität des Materials, „Bindfäden" regnete und die Filme häufig rissen, war den Zuschauern so ziemlich egal. Hauptsache, man war dabei gewesen und konnte mitreden…

An die „gute alte Zeit“ erinnern heute bestenfalls die Überreste des einstmals so bedeutenden Sim-Jü-Viehmarktes und der – allerdings nach wie vor eindrucksvolle – Krammarkt. Dessen „fliegende Händler“ verwandeln am jeweils letzten Sim-Jü-Tag die ganze Innenstadt immer noch in einen einzigen großen Basar. Auf dem Hagen und den anderen Plätzen bestimmen inzwischen die zum Teil enormen Dimensionen der Karussells und sonstigen Belustigungen das Geschehen. Doch wird Tradition auch hier immer noch groß geschrieben: Seit Jahren spielen zur Freude des loopingFamilienpublikums zwischen den oftmals halsbrecherisch anmutenden hypermodernen Fahrgeschäften wieder drei jener prächtigen Konzertorgeln auf, die lange vor Schallplatte und CD für den musikalischen Rahmen sorgten. Überhaupt – Tradition wird zu Sim-Jü nach wie vor groß geschrieben. Nicht wenige Schausteller-Familien zählen schon seit Generationen zu den Beschickern von Sim-Jü. „Werne/Lippe", wie die Schausteller sagen, hat einen guten Klang in der Branche. Namen wie Arens, Wendler, Hornig, Petter, Kleuser und Bügler sind denn auch für viele Werner ein Begriff und werden ohne langes Überlegen sofort mit Sim-Jü in Verbindung gebracht. kirmes 70er

Im Laufe der nun 650jährigen Geschichte unseres Volksfest-Veteranen hat sich gewiss vieles verändert, dennoch, das Allerwichtigste ist geblieben: Die Freude aller Altersklassen an dem Vergnügen und dem unbändigen Spaß, den Sim-Jü vermittelt - und das gleichermaßen für betuchte und weniger betuchte Bürger. In der Ausgelassenheit und Feierfreude sind sich in den vier Sim-Jü-Tagen (und Nächten) intellektuelle und schlichtere Gemüter einig wie selten. So wird es auch beim diesjährigen Sim-Jü sein, wenn erst - wie im Mittelalter - die Freifahne weht und Werne wieder für Hunderttausende zum Mittelpunkt Westfalens mutiert.

Irgendwann trifft man sich auf dem größten Volksfest an der Lippe … Kommen, Sehen, Staunen und sich dabei ein wenig in Sim-Jü verlieben, wird einem in Werne irgendwie leichter gemacht als anderswo.

Autor: Rainer Schulz

 

Veranstaltungs -
kalender
Facebook
StraßenFESTIVAL
Wochenmarkt
Werne -
ganz persönlich
Fahrradsommer
Parken
Löwenburg
Kutschfahrt
Stadt Werne
Kontakt
Natur-Solebad
Sparkasse an der Lippe